Diakonie Leipzig
Vielfalt für das Leben

24.10.2008 | – Wir wollen doch nur Euer Bestes ... – Selbstbestimmung in der Behindertenhilfe


Selbstbestimmt Leben – mittlerweile eine Selbstverständlichkeit in der Behindertenhilfe? Aber was tun, wenn eine Frau mit einer geistigen Behinderung ein Kind bekommen möchte, obwohl sie selbst emotional auf dem Stand eines dreijährigen Kindes ist? Was tun, wenn ein Mann mit einer Behinderung in einer eigenen Wohnung leben möchte, aber definitiv nicht dazu in der Lage ist?

Erik Bosch, Heilpädagoge und Autor, Trainer und Berater in der Behindertenhilfe in den Niederlanden, in Deutschland und in Belgien, schrieb elf Bücher über die Beziehung zu Menschen mit Behinderungen, über Sexualität, Tod und Sterben, moralische Dilemmata, sexuelle Aufklärung und professionelle Kommunikation.

Am 16. und 17. Oktober leitet er die Diakonischen Weiterbildungstage im Rahmen des Wichernjahres 2008 für die Mitarbeiter der Behindertenhilfe beim Diakonischen Werk Innere Mission Leipzig e.V.

Unter dem Thema „Respektvolle Begegnung – selbstbestimmtes Leben“ geht es um die Art und Weise mit der die Betreuer den Menschen mit geistiger Behinderung begegnen, denn davon wird die Entwicklung und das Leben behinderter Menschen entscheidend geprägt.

„Menschen mit Behinderungen so begegnen, wie wir selbst möchten, dass man uns begegnet“ – mit diesen Worten beschreibt Bosch das Normalisierungsprinzip. Menschen mit einer geistigen Behinderung müssen ein Leben wie jeder andere führen können. „Wir sollen so normal wie möglich handeln und nur dort besonders reagieren, wo es erforderlich ist.“ An welchen Punkten der einzelne Betreuer es für erforderlich hält, einzugreifen, hängt auch von seinen eigenen Wertmaßstäben ab. Aber haben wir das Recht, anderen Menschen unsere Wertmaßstäbe aufzudrängen? Und welche Maßstäbe sind das überhaupt, die uns leiten?

Die Weiterbildung für die Mitarbeiter der Diakonie Leipzig findet am 16. und 17. Oktober 2008 von 9.00 bis 17.00 Uhr in den Räumen der Stadtmission, Demmeringstraße 18, 04177 Leipzig statt. Insgesamt 145 Mitarbeiter der Behindertenhilfe werden daran teilnehmen.

Die Diakonie fühlt sich den Grundsätzen ihres Gründers Johann Hinrich Wicherns verpflichtet, den Menschen, die Hilfe brauchen, mit vollem Respekt und in Würde zu begegnen – sie mitten im Leben aufzusuchen. Dass dabei moderne Methoden kein Widerspruch sind – auch das soll diese Veranstaltung zeigen.

Susanne Straßberger

Presse

 
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